Am 30.6.2015 änderte sich mein Leben schlagartig. Ich hatte für mein Unternehmen Insolvenz angemeldet. 20 Jahre und 121 Tage nach der Gründung.

Ein sehr guter Freund sagte kurz daraufhin zu mir: „Die Insolvenz ist das größte Geschenk, das Du bekommen konntest.“ Das habe ich zuerst nicht verstanden.

Aber allmählich setzte sich bei mir die Erkenntnis durch, „Ja, es ist ein Geschenk.“ Denn wie Adorno bereits sagte: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno aus dessen Minima Moralia).

Mein Blog richtet sich an Firmeninhaber, die derzeit die Freude an Ihrem Unternehmen verloren haben und die das Gefühl haben, wie eine Flipperkugel in der Gegend herumgeschossen zu werden und überall nur Brandherde löschen zu müssen. Ich möchte mit meinem Blog allen Inhabern Mut machen, dass es möglich ist, sein Leben Stück für Stück wiederzubekommen und es den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu gestalten.

Ich selbst hatte seinerzeit mein Unternehmen nach meinem BWL-Studium mit Null D-Mark in der Tasche gegründet und über die Jahre hinweg zu einem Millionen-Unternehmen aufgebaut. Da ich Marketing und Psychologie als Schwerpunkte hatte, wusste ich, dass die Akquise ein wichtiger Bestandteil des Unternehmertums ist und ich konnte recht schnell die ersten Erfolge feiern. Immer nach der Devise „höher, schneller, weiter“ habe ich Bücher gelesen über Führung, Vertrieb und Verkauf, Management, Organisation und Strategie. Zu allen diesen Themen habe ich zahlreiche Seminare besucht, an Unternehmer-Braintrusts teilgenommen und mit Coaches gearbeitet.

Der Höhepunkt war dann eine zusätzliche Strategieberater-Ausbildung. Neben meinem Unternehmen habe ich dann eine Beratungsfirma gegründet. Schnell war mir klar, dass dieses meine Leidenschaft ist. Durch die Braintrusts und Seminare konnte ich auf ein breites Feld an Wissen zurückgreifen, das meinen Beratungskunden zugute kam. Über die Zeit hinweg habe ich Einblick in nahezu 100 Unternehmen erhalten mit einer Größe bis zu 30 Mitarbeitern.

Letzten Endes habe ich jedoch immer mehr die Freude am eigenen Unternehmen verloren. Ich habe das Kerngeschäft vernachlässigt und 2 gravierende, falsche Entscheidungen getroffen, die schlussendlich zur Insolvenz geführt haben.

Was habe ich daraus gelernt?

Es ist immer gut, wenn man Rückschläge als Frage an das eigene Handeln begreift: „Was musst Du noch lernen, damit so etwas nicht mehr passiert?“

Bei mir war es offensichtlich. Ich habe versucht, die Leiter immer schneller hoch zu klettern. Nur leider stand diese Leiter an der falschen Wand! Ich habe meine Leidenschaft völlig außer Acht gelassen und ein Geschäft weiter betrieben, das ich schon viel früher hätte verkaufen sollen. So habe ich mich nicht mehr ausreichend darum gekümmert und viele Dinge nur noch halbherzig betrieben. Wenn man sich jedoch nicht mehr um die Details kümmert, verkümmert das Geschäft.

In den letzten Monaten habe ich selbstkritisch mit einem Coach reflektiert, was die wesentlichen Fallstricke sind, wenn man als Firmeninhaber die Freude verliert. Heraus gekommen ist eine ganz einfache Frage: Was will ich?

Das ist erst einmal leicht zu verstehen, aber bei weitem nicht so leicht zu beantworten. In dieser Frage stecken eigentlich drei Fragen:

WAS will ich?
Bei dieser Betonung geht es darum seine Wünsche, Bedürfnisse und Träume rauszuarbeiten.

Was WILL ich?
Wenn der erste Schritt gemacht ist, dann sollte ich kritisch betrachten, ob ich das alles wirklich will oder ob es Reste aus früheren Phasen des Lebens sind, die nicht mehr aktuell sind und an denen ich nur noch festhalte, weil es so bequem ist. Das wichtigste ist aber: hat der jeweilige Wunsch magnetische Anziehung?

Was will ICH?
Hier stelle ich mir eine fiese Frage: wenn ich die Dinge doch so gerne möchte, warum habe ich sie dann noch nicht? Welche inneren Hindernisse und Grenzen habe ich wohl, die die Erfüllung des Wunsches verhindern?

Wie schon erwähnt möchte ich mit diesem Blog meine Erfahrung aus der Arbeit mit anderen Unternehmern weitergeben und andere Firmeninhaber, die zur Zeit gefrustet sind, weil irgend etwas nicht so funktioniert wie sie es möchten dabei unterstützen, Ihre Freude zurück zu bekommen. Manchmal sind es die kleinen Hinweise oder neue Sichtweisen, die einen selbst voran bringen.